WIR unter 30 – Interview mit Spirit of Traveling

Frauenpower und das unter 30? Das findest du in dieser Reihe! In “WIR unter 30” interviewen wir beeindruckende, starke und faszinierende Frauen vor, die sich und ihr Business vorstellen. Über Hannah als Interviewgast freue ich mich wirklich sehr, da ich ihr und ihren Reisen schon seit langem folge und immer wieder davon begeistert bin!

Interview mit Spirit of Traveling

Wer bist du und worüber schreibst du auf Spirit of Traveling?

Hi! Ich bin Hannah, absolute Naturliebhaberin, Mediendesign-Studentin und Ozeankind. Auf Spirit of Traveling habe ich zu Beginn hauptsächlich von unseren Erlebnissen auf der Weltreise (mein Freund und ich sind nach dem Abi für anderthalb Jahre um die Welt gereist) berichtet, schon immer allerdings auf eine sehr lebendige und emotionale Weise. Mittlerweile hat sich die Thematik ausgeweitet und ich habe immer öfter Nachhaltigkeitsthemen einbezogen. Im Grunde ist Spirit of Traveling meine Spielwiese, wo ich all das, was mir Freude bereitet und am Herzen liegt, mit der Welt teilen kann: das Schreiben, Geschichtenerzählen, Fotografieren, auch die Videos auf dem gleichnamigen YouTube-Kanal — und all dies in Verbindung mit den Themen Reisen & Vanlife, sowie Nachhaltigkeit.

Du achtest in deinem Alltag und auf Reisen auf Nachhaltigkeit.

Worauf besonders und wie bist du zu diesem Thema gekommen?

Ich glaube, es hat sich ganz natürlich eingeschlichen. Ich bin schon in einer „Ökofamilie“ mit Zelturlauben, Hirse, Avocado und Mandelmus aufgewachsen haha. Mit dreizehn habe ich mich dann für eine vegetarische Ernährungsweise entschieden, da ich einige Filme zu dem Thema gesehen hatte und all das keinen Fall mehr unterstützen wollte. Mit der Zeit kam immer mehr Wissen dazu und mittlerweile ernähre ich mich, aus vielen verschiedenen Gründen, fast ausschließlich pflanzlich. Da mein Freund und ich so gerne in der Natur unterwegs sind und auch beide surfen, hat sich das Interesse an umweltfreundlichen Lebensweisen ganz natürlich ergeben — was man liebt, möchte man ja schützen!

Bei vielen Dingen, die ich (wieder) neu für mich entdecke, schmunzelt meine Oma und meint, dass Sie das früher schon immer so gemacht hat (Dinge repariert, auf dem Markt/regional & saisonal eingekauft, eigene Taschen mitgenommen, Obst und Gemüse nicht in Plastik verpackt, wenig Fleisch gegessen, nicht so viel gereist, Dinge wiederverwendet, sparsam gelebt, etc). Das finde ich sehr eindrücklich, weil eine nachhaltige Lebensweise wohl früher mal natürlich war, während wir uns jetzt mühevoll von einer etwas eskalierten Konsumgesellschaft wieder Schritt für Schritt dorthin zurückbewegen. Back to the Roots quasi. Und das liebe ich einfach, denn meistens ist weniger tatsächlich mehr.

Wir würden gerne mehr über deine Reise nach Frankreich dieses Jahr erfahren.

Wohin ging es denn und wie lange warst du unterwegs?

Ich war im Februar/März dieses Jahres, noch ganz knapp vor Corona (puh! :D), für zwei Wochen alleine mit dem Camper am Atlantik.

Du warst ja das erste Mal ganz alleine unterwegs.

Welches Gefühl hast du vor der Reise am meisten gespürt – Neugier, Vorfreude, Unsicherheit?

Alles! Zuerst war es nur eine Quatsch-Idee, mein Freund und ich wollten ursprünglich zusammen mit dem Bus wegfahren. Dann hat er spontan einen Praktikumsplatz bekommen und ich war so enttäuscht, dass er aus Spaß meinte, dann soll ich doch alleine fahren. Der Gedanke hat mich mehr und mehr fasziniert, sodass ich es am Ende tatsächlich gemacht hatte!

Vorfreude war sehr stark vorhanden, da ich noch nie im Winter am Atlantik war und wusste, dass es zu dieser Zeit dort eigentlich keine Touristen und mega große Wellen gibt! Die Vorstellung, den ganzen Tag mit meiner Kamera am Strand zu sitzen und Wellen zu fotografieren, ohne mich um irgendjemanden kümmern oder nach irgendwem richten zu müssen, fand ich mega. Überhaupt diesen Ort, Hossegor, an dem ich schon so oft im Sommer war und wo ich mich so wohl fühlte, mal authentisch zu erleben, nur mit den Einheimischen, den Surfern und dem „wahren Leben“ dort — darauf hatte ich mich auch sehr gefreut.

Gleichzeitig war ich neugierig und gespannt, wie es dort sein würde, aber auch, wie es mir alleine ergehen würde. Ich bin vorher noch nie alleine verreist, immer nur mit Familie, Freundinnen oder meinem Freund. Eigentlich bin ich jedoch jemand, der sehr gut alleine sein und sich mit sich selbst beschäftigen kann, weswegen mich diese Reise auch so gereizt hat. Ich wollte sehen, wer und wie ich wirklich bin, wenn ich ganz mit mir alleine bin! Unsicherheit war natürlich auch da. Besonders die lange Fahrt hat mich extrem abgeschreckt. 13 Stunden fahren, und das ganz alleine — das schien mir so langweilig und anstrengend! Auch Gedanken wie Wo werde ich schlafen? Wird es zu kalt? Werde ich Adrian vermissen? waren dabei, allerdings eher am Rande.

Wie hast du die Ruhe des Alleinseins empfunden?

Wenn ich wirklich für mich war, total entspannt! Ich bin ein ruheliebender Mensch und so viel Zeit für mich zu haben habe ich als sehr erholsam empfunden. Ich habe auch stark gemerkt, dass es mich immer, wenn ich eine Weile couchsurfen war, wieder in diese Ruhe gezogen hat. Nach ein paar Tagen Gesellschaft war gut, da wollte ich wieder zurück in die Ruhe von meinem Van und wieder ganz für mich sein.

Wenn ich allerdings in Abhängigkeit einer anderen Person war, war es nervig! Am Anfang war ich bei einem Couchsurfer, der immer angekündigt hat, dass wir später dies und das machen könnten oder uns hier und da treffen, und er hat sich nie daran gehalten. Da saß ich dann blöd rum und habe auf ihn oder eine Nachricht von ihm gewartet. In dieser Zeit habe ich mich einsamer gefühlt, als wenn ich tagelang (bewusst und aus freier Entscheidung) nur für mich war.

Gab es eine besondere Begegnung auf deiner Reise?

Auf jeden Fall. Nach den ersten Tagen hatte mich das Wetterglück etwas verlassen und es regnete in Strömen. Eine Weile ist das okay, aber irgendwann wird es echt langweilig, die ganze Zeit in diesem kleinen Auto rumzusitzen, wo man nicht mal aufrecht stehen kann. Außerdem wurde es kalt auf Dauer, es war ja erst Ende Februar. Ich war über Biarritz Richtung Saint-Jean-de-Luz gefahren, wo ich noch immer wieder kleine Lücken hatte, in denen es trocken blieb und ich die Gegend erkunden und Fotos machen konnte. Nun aber regnete es Bindfäden und ich hatte einfach die Schnauze voll. Schon am späten Nachmittag habe ich dann auf gut Glück einen einzigen Couchsurfer angefragt, der in der Gegend wohnte, ob ich die Nacht bei ihm verbringen könnte. Er sagte sofort zu! Mit dem Deal: ich koche und er kümmert sich um Getränke und Unterhaltung. 😀 Also bin ich direkt hin und es war auf Anhieb so schön und entspannt mit ihm, als wären wir alte Freunde. Ich blieb das ganze Wochenende und kam sogar nochmal zurück, als ich eigentlich schon wieder in Hossegor war. Ich kam mir dort auf einmal so verloren vor und hatte so eine tolle Begegnung zurückgelassen, nur um eventuell tolle Wellen zu sehen und mich noch einmal mit dem ersten Couchsurfer zu treffen — der mich übrigens schon wieder hängen ließ.

Es war eine Couchsurfing-Begegnung wie im Bilderbuch. Wir kochten, spielten, sangen zusammen (ich habe hier meine ersten Ukulele-Griffe gelernt), er nahm mich mit zum surfen, zeigte mir die Gegend, erzählte mir Geschichten über die Orte, lud mich zu einem Abendessen mit seinen Freunden ein, wir lernten voneinander und lachten miteinander und wenn er vormittags arbeiten musste, erkundete ich allein die Gegend oder kuschelte mit seinem Hund in der Hängematte. Diese Begegnung werde ich auf jeden Fall nicht vergessen und bin mir auch sicher, dass wir uns in Zukunft wieder sehen werden, wenn ich wieder in der Gegend bin.

Was gefällt dir am Couchsurfing so gut?

Vor allem die Menschen und die Möglichkeit, einen fremden Ort wirklich kennenzulernen. Leute, die sich bei Couchsurfing anmelden, verbindet alle etwas: die Lust am Reisen, am Kennenlernen neuer Menschen, das Interesse am Eintauchen in die lokale Kultur und das Leben — aber auch Aufgeschlossenheit, Hilfsbereitschaft, Vertrauen und Großzügigkeit, denn wer bietet schon einfach ein Zimmer oder seine Couch einer wildfremden Person kostenlos an? Es sind Werte, die diese Menschen verbinden, nicht die Profitgier. Wenn man couchsurfen geht, trifft man (in der Regel, es gibt auch Ausnahmen) einfach total coole Leute. Die Begegnungen sind aber immer interessant und lehrreich, allein schon weil man so einen direkten Einblick in ganz andere Lebensstile bekommt. Für mich ist es mittlerweile die schönste und fast schon einzig wahre Möglichkeit, einen Ort kennenzulernen, wenn man jemanden treffen kann, der dort lebt.

Wie hat dir das Alleinreisen gefallen und konntest du dadurch etwas für dich mitnehmen?

Es hat mir auf jeden Fall gefallen und auch wenn ich es liebe, mit meinem Partner zu verreisen, war es sicher nicht das letzte Mal. Für mich mitnehmen konnte ich ein besseres Gespür für meine eigenen Bedürfnisse, echt gesteigerte Fähigkeiten, auf engstem Raum zu leben und zu kochen haha, sowie ganz viele wunderschöne Erinnerungen, Begegnungen und Bilder. Und natürlich eine große Vorfreude auf meine Liebsten zuhause!

Hast du dir vorab Gedanken darüber gemacht als Frau alleine zu reisen oder war das für dich gar kein Thema? Hast du vielleicht auch Tipps für das Alleinreisen?

Gestreift hat der Gedanke mich schon, aber es war kein großes Thema. Ich wusste ja, dass ich nur zwei Wochen unterwegs sein würde und außerdem fühle ich mich in Hossegor beinahe wie zuhause. Ich habe mich also nicht großartig in fremde Gewässer aufgemacht, ich kenne die Gegend und weiß auch, dass in der Gegend viele mit dem Camper reisen und es dort sicher ist.

Das würde ich wohl auch allen empfehlen, die zum ersten Mal alleine reisen möchten: erst einmal für eine Weile in eine eventuell vertraute, aber zumindest mal sichere Gegend zu reisen, wo ihr euch wohl fühlt. Nicht gerade ans andere Ende der Welt, sodass man im Notfall, wenn man merkt dass es gar nichts für einen ist, auch wieder nach Hause kommen kann. Und: sich offen machen, für alles, was kommt. Nicht erwarten, dass es so wird, wie man es von Reisen mit dem/der Partner/in, Familie oder so gewohnt ist — denn es wird garantiert anders. Und das ist auch gut so! Entwickelt eure eigene Art zu Reisen, eure eigenen Routinen, folgt euren eigenen Bedürfnissen und lasst Raum für spontane Entscheidungen. Denn das sind bekanntlich die besten. 🙂

Vielen Dank für das tolle und spannende Interview! Durch die Bilder von Hannah konntest du ja schon einen Einblick bekommen. Wenn du dich für mehr interessierst, kannst du dir hier den ersten Teil der Frankreichreise und hier den zweiten Teil der Frankreichreise durchlesen. Und hier findest du auch ein tolles Video über den Trip! Wenn du ihr auf Instagram folgen willst, kannst du dies hier tun.

SophiaWiesbeck
Sophia ist die Gründerin von FEM Up und seit Jahren begeisterte Texterin. Sie hat schon über die Jahre Erfahrungen im Bereich Bloggen gesammelt und konnte nun endlich ihr Herzensprojekt - ein Blogazine für Female Empowerement - umsetzen.